Wilkommen in Tiefwasser#

Aufgeschnappt von einem Stadtführer, der viel zu viel Silber für seine Tour verlangt hat.

Willkommen in Tiefwasser – der Krone des Nordens, der Stadt der Pracht, oder, wenn ihr’s elfisch wollt, Waterdeep. Eine der größten und einflussreichsten Metropolen an der Schwertküste, vielleicht sogar in ganz Faerûn! Ein Hort der Zivilisation, des Fortschritts, des Handels, der Wissenschaft, des Glaubens und der Magie. Ein Zentrum von… allem. Meisterhandwerker, Künstler und Gelehrte pilgern hierher, um Wissen zu tauschen, Wunder zu erschaffen und Meisterwerke hervorzubringen, die Faerûn in eine strahlende Zukunft führen sollen.

Aber keine Sorge, ich erzähle euch nicht dieselben geschönten Geschichten wie die anderen Stadtbarden. Tiefwasser ist all das – gewiss. Doch es ist auch hässlich. Armut, Hunger und Kriminalität nagen an den Grundmauern. Die Reichen treten die Armen mit Füßen, Banden zerreißen die Stadt, und eine korrupte Regierung sieht weg. Wenn man nicht aufpasst, verirrt man sich in Gassen, aus denen man nicht lebend zurückkehrt. Doch seid ganz beruhigt: Mit mir seid ihr sicher. Euer kundiger Führer kennt Tiefwasser wie seine Westentasche. Ob Politiker oder Bettler – jeder, der diese Stadt betritt, bringt Träume, Begierden und Hoffnung mit. Manche finden, wonach sie suchen, manche suchen ihr Leben lang weiter. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie wollen Tiefwasser nicht mehr verlassen. Denn diese Stadt ist ein Schmelztiegel. Man wird hineingeworfen, durchgeschüttelt, neu geformt… und manchmal kommt am Ende sogar etwas Glänzendes dabei heraus. Ich erinnere mich an einen Zwerg und einen Halbork, die sich im Gähnenden Portal eine wüste Prügelei geliefert haben. Heute sind sie unzertrennlich – und Erfinder der Knoblauchpresse.

Was die Stadt selbst angeht… nun, sicher habt ihr die Gerüchte gehört. Der Drachenschatz wurde angeblich gefunden! Eine neue Bande Abenteurer soll Aurinax erschlagen und vor den Augen aller das Gold geraubt haben. Aber vertraut mir: Der alte Neverember hat das alles nur erfunden, um die Leute abzulenken. Es gibt keinen Schatz, das Theater Zum Pinken Flumph war eh baufällig, und darunter ist auch kein Gewöbe. Diese Abenteurertruppe? Niemand hat sie je gesehen. Alles reine Fantasie, das versichere ich euch. Neverember war schon immer ein schlauer Fuchs. Er ist längst verschwunden, aber noch immer tanzen alle nach seiner Pfeife. Alle starren auf das Gold – und merken nicht, dass der wahre Schatz ganz woanders liegt…

Spätere Beobachtungen belegen, dass der Barde ein Säckchen Gold von einer äußerst verdächtig wirkenden Gestalt erhielt.