15. März 2026#
DM: Jan — Session 5: Chiffren im Schatten (Teil 1)
Schauplätze: Trollschädel-Gasse, Trollschädel-Herrenhaus, Die Tintenkrone
Renzo Kaltblick ist kurz davor, den Zhentarim-Code zu knacken. Das wissen leider nicht nur seine Verbündeten.
Die Gruppe#
- Gorbal Eisenhals (Aron)
- Waldo Frost (David)
- Vael Morren (Dominik)
- Lyra Willowmere (Äli)
Muffins und Morgentraining#
Der Tag beginnt harmlos in der Trollschädel-Gasse. Waldo hat gebacken — Muffins, frisch und warm. Gorbal steht in der Küche und kocht Frühstück, nachdem er die Wirtin Dagna mit einem einzigen Blick aus ihrer eigenen Küche vertrieben hat. Er bietet auch einem unsichtbaren Gast eine Portion an — ob jemand antwortet, bleibt unklar. Vael, der nie für etwas bezahlt, wenn er es auch stehlen kann, lässt einen Muffin verschwinden, bevor jemand es merkt.
Dann wird trainiert. Im Hinterhof des Herrenhauses stehen sich die Kämpfer gegenüber.
Lyra gegen Nigök. Ein Duell der Geschwindigkeit. Die Waldelfe weicht aus, duckt sich, gleitet unter Schlägen hindurch — der Halbling ebenso. Es geht hin und her, länger als erwartet. Am Ende landet Nigök den entscheidenden Treffer, aber sein Grinsen danach ist respektvoll. So einen Kampf hatte er lange nicht.
Gorbal gegen Waldo. Knapper als gedacht. Vael beobachtet vom Rand — und kann nicht anders. Ablenkungen, Zurufe, kleine Tricks, um Waldo einen Vorteil zu verschaffen. Als er zum Dolch greift, um die Sache endgültig zu entscheiden, packt Odiosis ihn am Handgelenk. Ein Blick reicht.
Explosion#
Dann zerreisst ein Knall die Morgenstille. Oben, aus Renzos Zimmer. Alle rennen die Treppen hoch.
Die Tür ist aufgesprengt. Drinnen: Sezeth und vier Schläger. Renzo am Boden. Sezeth steht über ihm, starrt ihn intensiv an — reglos, konzentriert, als würde er etwas aus Renzos Kopf ziehen.
Odiosis reagiert zuerst. Ein Schwung, ein Kopf rollt — der erste Schläger fällt, bevor er sein Schwert ziehen kann. Waldo spricht einen Zauber — Hold Person — und ein zweiter Schläger erstarrt mitten in der Bewegung.
Aber Sezeth ist schneller. Er hat bereits die Notizen vom Tisch gegriffen. Sein Blick gleitet über das Bücherregal — zielstrebig, als wüsste er genau, wo er suchen muss. Ein Geschichtsbuch. Er zieht es heraus, findet die Kopie, die Renzo darin versteckt hatte.
Dann, im Gehen, rammt er seine Klinge in den erstarrten Schläger. Kaltblütig, effizient. Wer nutzlos ist, wird entsorgt.
Sezeth und die zwei verbliebenen Schläger fliehen über das Dach. Roshdi, der die Aussenwand hochgeklettert war, empfängt einen von ihnen im vierten Stock — ein gezielter Tritt, und der Schläger stürzt in die Tiefe. Sezeth und der letzte entkommen.
Was Renzo erzählt#
Zurück im Zimmer. Renzo ist erschüttert, aber am Leben. Er erzählt:
Er war kurz davor, den Code zu knacken — die Zhentarim-Chiffre, die sie seit Wochen beschäftigt. Zur Sicherheit hatte er eine Kopie angefertigt und in einem Geschichtsbuch im Regal versteckt. Aber Sezeth hat seine Gedanken gelesen. Alles — den Fortschritt, die Kopie, das Versteck. Und jetzt hat er beides: das Original und die Sicherungskopie.
Es gibt nur noch eine Quelle: ein Informant namens Nadel. Renzo kennt nur den Decknamen. Nadel treibt sich manchmal in der Tintenkrone herum — einer Schänke im Nordbezirk.
Die Tintenkrone#
Die Tintenkrone: oben dunkles Holz und Kerzenschein, unten ein Kellergewölbe voller Rauch, Bier und Geschrei. Heute Abend tobt die Reimschlacht — ein illegales Untergrund-Event, bei dem Barden und Möchtegern-Poeten in improvisierten Spottversen gegeneinander antreten.
Am Eingang versperren Roger und Grunz den Weg — zwei Türsteher, die aussehen, als hätten sie das Wort “Diskretion” noch nie gehört. Nach kurzem Hin und Her lässt man die Gruppe passieren.
Im Keller ist die Reimschlacht bereits in vollem Gang.
Splitter gegen Stahlzunge#
Auf der Bühne aus Bierfässern stehen sich zwei Barden gegenüber: Stahlzunge, der ungeschlagene Favorit — arrogant, präzise, eiskalt — und Splitter, eine Halbork-Hafenarbeiterin mit fehlendem Zahn und einer Stimme, die Wände einreisst. Es ist ihr dritter Versuch.
Die Verse fliegen. Stahlzunge spielt den überlegenen Künstler, Splitter kontert mit roher Ehrlichkeit von der Strasse. Als Stahlzunge die Fassung verliert und persönlich wird, dreht Splitter den Spiess um. Das Publikum tobt. Der Konflikt zwischen der Unterschicht und den Neureichen des Bezirks wird in jedem Vers greifbar.
Am Ende entscheidet das Publikum: Splitter gewinnt. Die Strasse schlägt den Salon.
Die Suche nach Nadel#
Die Gruppe verteilt sich und fragt herum. Es dauert nicht lange. Mehrere Quellen liefern das gleiche Bild: Nadel heisst eigentlich Karlo der Kurier. Schmales Gesicht, braune Haare, nervös, zupft an seinen Manschetten. War Stammgast, kam jeden Donnerstag. Vor zwei Nächten ist er nach der Reimschlacht gegangen — und nicht zurückgekommen.
Stille Piet, ein massiger Halbelf mit Schlangentätowierung am Hals, kennt Karlo persönlich. Er glaubt nicht, dass der Kurier ein Verräter ist — dafür fehlen ihm die Eier. Aber Karlo war nervöser als sonst in letzter Zeit. Hat angefangen, Kopien zu machen von den Sachen die er transportiert hat. Als wäre das eine Lebensversicherung. Vor zwei Nächten war er hier, Hintertisch, nervöser denn je. Ist nach der Reimschlacht allein gegangen. Seitdem nichts. Und Piet hat bemerkt: Die Gruppe ist nicht die Einzige, die heute Nacht nach Karlo fragt.
An drei Tischen sitzen Zhentarim-Leute. Alle kennen den Kurier. Und alle verachten ihren Unterbandenführer Tim, der sich bei den Bossen einschmeichelt, während die Fusstruppen die Drecksarbeit machen. Was sie über Karlo sagen: Er ist verschwunden. Er ist zu einem Problem geworden. Man munkelt, dass die Bosse ihn loswerden wollen.
Waldo und Splitter#
Waldo sucht Splitter nach ihrem Sieg auf und versucht, sich ein paar Tipps zu holen. Sie ist nicht sonderlich beeindruckt — ein Bäcker, der reimen will. Aber als sie merkt, dass Waldo ebenfalls von der Unterschicht kommt, wird ihr Blick weicher. Sie kennt das: jemand, der sich hochkämpfen muss, ohne Geld und ohne Namen. Sie muntert ihn auf und gibt ihm ein paar Tipps.
Cassian gegen Waldo#
Dann Cassian — ein übereifriger junger Mann in zu teurer Kleidung, der Runden ausgibt und sich für einen der Ihren hält. Er stürmt auf die Bühne und fordert Waldo heraus. Waldo tritt an und reimt besser als Cassian. Deutlich. Aber Cassian ist ein Weissthal, und niemand in der Tintenkrone traut sich, gegen einen Weissthal zu stimmen. Cassian gewinnt. Das Publikum klatscht pflichtbewusst. Splitter spuckt auf den Boden.
Madame Corbeau#
Dann wird Lyra eine gefaltete Notiz zugesteckt. Am Hinterausgang wartet eine Frau: gepflegt, dunkles Kleid, ein Hauch von Trauer. Sie stellt sich als Madame Corbeau vor — Karlos Schwester.
Sie betreibt einen kleinen Spielzeugladen im Bezirk. Mechanische Vögel, Puppen, Uhren. Karlo hat als Kind bei ihr im Laden gestanden und die Vögel angestarrt. Sie macht sich Sorgen. Er hat sich seit Tagen nicht gemeldet. Sie weiss, dass er sich mit gefährlichen Leuten eingelassen hat — aber er ist kein schlechter Mensch.
Sie bittet die Gruppe, Karlo zu finden. Dringend. Bevor es andere tun.
Als Zeichen des Vertrauens gibt sie ihnen etwas, das Karlo gebaut hat: einen kleinen mechanischen Raben namens Klick. “Er ist klüger als er aussieht. Er wird über euch wachen.”
Knochen-Marta#
In der dunkelsten Ecke des Kellers sitzt Knochen-Marta — eine uralte Gnomenfrau mit einer Knochenkette um den Hals, die seit zwanzig Jahren denselben Stuhl besetzt. Sie kennt jeden im Tintenkrone. Und manchmal sieht sie Dinge.
Sie fixiert Lyra mit weissen Augen und spricht eine Warnung:
“Hüte dich vor dem falschen Atem, Kind.”
Niemand weiss, was sie damit meint. Noch nicht.
Der Saubere#
Beim Umherfragen fällt der Gruppe ein Mann auf: blonde Haare, rasiert, unauffällige aber zu gepflegte Kleidung. Er stellt die gleichen Fragen wie sie — leise, systematisch, mit einer kleinen Skizze in der Hand. Er gehört nicht hierher.
Sie stecken ihm einen Zettel zu und lauern ihm hinter der Taverne auf. Er bemerkt sie — aber sie bekommen ihn trotzdem zu fassen.
Verhör#
Zurück im Hauptquartier in der Trollschädel-Gasse. Der Saubere hat Angst. Sehr viel Angst — vor allem vor Sezeth.
Er wurde angeheuert. Er weiss nicht viel. Aber was er weiss, reicht: Sie haben Nadel — Karlo den Kurier — gefangen genommen. Der Auftrag lautet, alles rund um die Nachricht auszulöschen. Jede Spur, jede Kopie, jeden der davon weiss.
Und er gibt den Ort preis: Brunners Lagerhaus.
Lyra und Vaskur#
Dann kommt Gregor. Er führt Lyra nach unten — zu Vaskur dem Bändiger, der seit dem letzten Einsatz in Ketten sitzt.
Vaskur will nicht reden. Lyra insistiert. Es wird laut, es wird drohend, es dauert — aber am Ende bricht er. Er erzählt, was Lyra seit Monaten sucht: Antworten über Zorak den Peiniger. Über den Überfall auf ihre Heimat. Über den Glimhirsch.
Die Einzelheiten bleiben zwischen Lyra und dem Gefangenen.
Abendessen#
Später sitzt die Gruppe beim Essen. Gorbal kocht. Waldo bäckt. Die Informationen liegen auf dem Tisch — im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Karlo steckt in Brunners Lagerhaus. Sezeth hat den Code. Und irgendwo da draussen tickt eine Uhr.
Aber heute Abend wird gegessen.
- Sezeth: Telepathischer Agent. Nutzt Detect Thoughts. Hat Renzos gesamten Fortschritt beim Entschlüsseln der Zhentarim-Chiffre gestohlen (Original + Sicherungskopie). Fraktion unklar.
- Getötete Schläger: 3 von 4 (Odiosis enthauptet einen, Sezeth ersticht den gehaltenen, Roshdi wirft einen vom Dach). Der vierte entkam mit Sezeth.
- Renzos Code: Fast geknackt. Jetzt in Feindeshand.
- Tintenkrone-NPCs: Roger & Grunz (Türsteher), Splitter (Reimschlacht-Siegerin), Stahlzunge (geschlagener Favorit), Cassian (Nepobaby), Tim (unbeliebter Zhent-Unterbandenführer), Knochen-Marta (Wahrsagerin)
- Madame Corbeau: Hat Lyra kontaktiert. Behauptet Karlos Schwester zu sein. Gab der Gruppe “Klick” (mechanischer Rabe).
- Knochen-Martas Warnung: “Falscher Atem” = Hinweis auf Klick und sein Betäubungsgas
- Der Saubere: Kill-Squad-Agent, gefangen. Wurde angeheuert, hat Angst vor Sezeth. Verriet Brunners Lagerhaus als Ort wo Karlo gefangen gehalten wird.
- Zhent-Tische: Drei Gruppen, alle hassen Tim (Unterbandenführer, Einschmeichler bei den Bossen).
- Lyra & Vaskur: Lyra erfuhr Details über Zorak den Peiniger aus ihrer Backstory.
- Nicht gespielt: Szene 3 — Brunners Lagerhaus (Karlo befreien) steht noch aus.
- DM-Notiz für Prep: Für Hinterhalt-/Auflauerungs-Situationen braucht es immer einen konkreten Ort — diesmal fehlte die geografische Planung für die Szene hinter der Taverne.