Chiffren im Schatten (Teil 2)#
19. April 2026 - DM: Jan
Schauplätze: Trollschädel-Gasse, Nordbezirk-Gassen, Brunners Lagerhaus (am Rand der Stadt der Toten)
Nach dem Abendessen wird es still im Herrenhaus. Draussen ist es das nicht.
Die Gruppe#
- Waldo Frost (David)
- Lyra Willowmere (Becci)
- Gorbal Eisenhals (Aron)
- Vael Morren (Dominik)
Ein Spitzel, ein Kind#
Die Gruppe schleicht durch den Hinterhof hinaus aus der Trollschädel-Gasse — leise, gedrosselter Atem, der Nebel als Verbündeter. Sie kommen unbehelligt durch. Was ihnen entgeht: an der Ecke zum Hauptweg lehnt einer, der zu lange dort lehnt. Ein Zhent-Späher, einer von Tims Leuten. Er bewegt nicht den Kopf, als sie vorbeiziehen, aber sein Blick folgt ihnen. Sekunden später beugt er sich zu einem zerlumpten Kind, drückt ihm eine Münze in die Hand, flüstert etwas — und das Kind huscht in die Gegenrichtung davon.
Die Nachricht ist unterwegs. Der Stapel weiss es nicht.
Zwei Muffins gegen vier Hellebarden#
Ein paar Gassen weiter wird es schlimmer. Eine Patrouille der Stadtwache versperrt den Weg — vier in voller Rüstung, schlecht gelaunt, auf der Suche nach jemand Bestimmtem. Fragen nach Papieren, nach Zweck, nach dem Inhalt des mitgeführten Gepäcks.
Waldo tritt vor und tut, was er am besten kann. Er greift in seine Tasche und bringt seine letzten zwei Muffins zum Vorschein — noch warm, wenn man sich die Wärme einbildet. Er spricht mit den Wachen, wie er mit allen spricht: freundlich, beiläufig, als wäre eine Kontrolle um Mitternacht ganz selbstverständlich. Die Muffins wechseln die Hände. Die Stimmung kippt.
Im Plauderton erfährt die Gruppe, weshalb die Wache heute Nacht nervös ist: Der Rote Rächer hat zugeschlagen. Im Nachtwasseranwesen im Seebezirk. Tausend Goldstücke aus dem Tresor. Keine Zeugen, keine Spuren — nur das rote Zeichen, das er immer hinterlässt. Die Häscher sind überall, und jeder Unbekannte nach Sperrstunde ist verdächtig.
Die Wachen ziehen weiter. Die Muffins sind weg. Der Stapel auch.
Anpirschen von Norden#
Brunners Import & Export liegt am Rand der Stadt der Toten, eingekeilt zwischen einer stillen Häuserzeile und der Friedhofsmauer, hinter der die Krypten und Wege im Mondlicht liegen. Die Gruppe nähert sich von Norden — über die lange, fensterlose Wand, die direkt an das Nachbarhaus grenzt.
Lyra geht hoch. Eine schief gespannte Wäscheleine zwischen den Häusern wird zur Brücke — sie balanciert hinüber, gleitet aufs Dach des Lagerhauses und legt sich flach auf die Ziegel. Von oben lässt sich das Gebäude lesen wie eine Karte:
- Das Vordertor, zur belebten Strasse hin — verriegelt, vernagelt, eine Drohung gegen Gelegenheitseinbrecher.
- Ein kleines Fenster an der Südseite, oben im Dachboden-Bereich. Lose im Rahmen. Ein Einstieg für jemanden, der klein genug ist — oder geschickt genug.
- Eine Hintertür in der schmalen Westgasse. Davor ein einzelner Wächter, der seine Pfeife raucht, als hätte er alle Zeit der Welt.
Lyra bleibt flach auf den Ziegeln liegen und beobachtet. Das Lagerhaus atmet — gedämpftes Reden von der Westgasse, ab und zu ein Lachen, das Knarren eines Flaschenzugs irgendwo drinnen. Karlo ist da unten. Und Sezeth auch.
Beratung im Schatten#
Lyra gleitet zurück über die Wäscheleine, geräuschlos wie sie gekommen ist. Die Gruppe steckt die Köpfe zusammen. Drei Zugänge, ein Wächter aussen, vermutlich mehr drinnen — und ein Zeitfenster, das zusehends kleiner wird.
Bevor jemand sich rührt, holt Gorbal einen Köder hervor — eine Idee, irgendwas Essbares ins Lagerhaus zu schmuggeln, vielleicht einen Hund herauszulocken. Das Resultat ist ein kurzes, lautes Bellen aus dem Inneren. Dann wird es wieder still. Niemand drinnen scheint sich um den Köter zu scheren. Der Versuch ist verpufft, aber wenigstens ohne Alarm.
Der Plan teilt sich auf: Vael durchs lose Südfenster ins Obergeschoss. Waldo, Lyra und Gorbal rücken zur Hintertür vor.
Vael oben, Vael unten#
Während sich das Bodenteam in der Westgasse positioniert, schiebt sich Vael durchs lose OG-Fenster. Der Dachboden: Staub, kaputte Regale, Mondlicht durch Bretterritzen — und Kisten. Nur Kisten. Was auch immer Sezeth in diesem Lagerhaus tut, er tut es nicht hier oben.
Vael bewegt sich Richtung Treppe und beginnt, sich nach unten zu schleichen.
Drei Fronten#
Als die Bodenmannschaft bei der Hintertür ankommt, raucht der Wächter nicht mehr. Die Pfeife ist weggesteckt, die Haltung straff — er hat etwas gehört oder gerochen, oder sein Kollege ist herausgekommen. Es sind jetzt zwei.
Gorbal versucht, die Situation zu drehen — er spricht sie an, will ihnen etwas verkaufen, irgendwas, Hauptsache Worte. Die Wachen haben keine Geduld für einen redenden Zwerg vor ihrer Hintertür. Sie werden ungehalten. Sie werden beleidigend. Und Gorbal — Gorbal wird wütend.
Dann bricht der Kampf los. Waldo spricht Sleep — und der vorhin geweckte Hund, der drinnen wieder anschlägt, sackt mitten im Sprung in einen Haufen Stroh. Eine Sorge weniger.
Aber die Nacht ist noch nicht fertig mit ihren Überraschungen. Über den Dachfirst kommen Schatten — eine Gruppe Kenkus, die sich an Seilen vom Nachbarhaus herabseilen, lautlos und routiniert. Armbrüste klacken. Bolzen fliegen wahllos in alle Richtungen. Tims Männer wollen wissen, wer hier wen umbringt — und schiessen vorsichtshalber auf jeden.
Es ist kein Kampf mehr. Es ist eine Dreifront: Stapel gegen Sezeths Wachen gegen Kenkus.
In den Keller#
Mitten im Tumult schiebt sich Vael durch das Erdgeschoss-Chaos und entdeckt sie endlich — die Falltür in der Ecke, halb verdeckt von einer schiefen Kiste. Er hebt sie an und steigt die Treppe hinab.
Er kommt nicht weit. Auf halber Höhe begegnet ihm ein gepanzerter Krieger — breit, geübt, kalt. Vael hat keine Zeit für ein Duell auf engem Stein. Er greift in die Tasche, schnippt ein Telebonbon dem Krieger entgegen — ein Schmatzen, ein Zucken, und der Mann verschwindet. Ins Erdgeschoss zurück, mitten ins Kenku-Crossbow-Inferno.
Im Keller dann das, was sie suchen: kaltes Magelicht, feuchter Stein, Tinte und Kräutergeruch. Karlo der Kurier sitzt in einem Käfig — gefesselt, eingeschüchtert, und in seinem Schoss zittert ein kleiner Hamster, das einzige Wesen, das in dieser Nacht keine Fragen stellt.
Und gegenüber: Sezeth.
Vael wartet keine Höflichkeiten ab. Er spricht Tasha’s gellendes Gelächter — und Sezeth, der telepathische Eishauch, knickt ein, fällt auf die Knie und beginnt zu lachen. Krampfhaft, hilflos, irrsinnig. Während Sezeth am Boden liegt und nach Luft ringt, kniet Vael vor dem Käfigschloss und arbeitet mit den Dietrichen.
Der Klick kommt. Karlo torkelt heraus, Hamster im Arm.
Rückzug auf der Treppe#
Vael stösst Karlo voraus, greift selbst nach der Treppe — und klappt zusammen. Die Stresse, die Bolzen, die ganze Nacht: er sackt zwischen zwei Stufen weg. Karlo bleibt unschlüssig stehen.
Oben hört das Team Vael fallen. Sie kämpfen sich in Richtung Falltür durch — Lyra zieht Vael am Kragen die Treppe hoch, Waldo stabilisiert ihn, Gorbal hält die Sezeth-Wachen auf Distanz.
Im Erdgeschoss tobt unterdessen der teleportierte Panzerkrieger mit ganz eigener Logik gegen die Kenkus. Es ist ihm offenbar gleich, woher die Bolzen kamen — er erledigt sie der Reihe nach, methodisch, bis kein Mimicry-Schrei mehr kommt.
Als der Letzte fällt, dreht er sich um. Aber jetzt ist die Gruppe beisammen, das Lachen verklingt, und die Übermacht hat die Seite gewechselt. Im gemeinsamen Vorstoss konzentriert sich der Stapel auf den Panzerkrieger — und auf Sezeth, der sich gerade aufrappelt.
Sezeth fällt. Eine letzte Klinge, ein letzter Atemzug, und der telepathische Eishauch erlischt im Kerzenlicht des Kellers. Der Panzerkrieger geht kurz darauf zu Boden — vom konzentrierten Vorstoss niedergerungen, ohne ein Wort. Beide Auftragskiller liegen still, das Lagerhaus gehört dem Stapel.
Der Brief#
In Sezeths Innenmantel, gefaltet und mit dunklem Wachs gesiegelt, finden sie einen Brief. Kein Name auf der Hülle, nur ein Siegel: ein schmaler weisser Turm im roten Wachs.
Der Inhalt ist kurz, mit präziser Hand geschrieben:
Sezeth —
Der Kurier hat eine Kopie verkauft. Renzos Notizen sind Hauptziel, der Rest folgt. Keine losen Enden. Der Kurier verschwindet, heute Nacht. Was er weiss, stirbt mit ihm.
Bericht morgen, üblicher Ort.
— W.T.
Damit hat der Stapel zum ersten Mal einen Namen — auch wenn es nur ein Codename ist. Weisser Turm. Wer dahintersteckt, weiss niemand. Aber jemand mit Geld, mit Reichweite, mit der Geduld, einen telepathischen Agenten zu führen. Und mit dem Interesse an einer Zhentarim-Chiffre, die ein einfacher Sprachgelehrter wie Renzo fast geknackt hatte.
Das ist kein Strassengangster. Das ist jemand, der oben sitzt und nach unten greift.
Mitbringsel#
Beim Aufräumen werden zwei Wesen mitgenommen, die niemand erwartet hat:
- Der Hamster. Aus dem Käfig befreit, sitzt er nun auf Karlos Schulter und beleidigt jeden, der ihm zu nahe kommt — in einer überraschend artikulierten und überraschend bösartigen Stimme. Niemand weiss, was er ist. Niemand will ihn aussetzen.
- Der Hund. Immer noch tief im Sleep, wird er kurzerhand auf eine Decke gelegt und mitgeschleppt. Ein zweiter Bewohner für die Trollschädel-Gasse.
Der Bettler am Wegrand#
Auf dem Heimweg, an einer Strassenecke nicht weit vom Gähnenden Portal, sitzt ein Bettler in einer Decke — und winkt sie heran. Er hat heute Glück gehabt, sagt er. Grosses Glück. Jemand hat ihm Gold zugesteckt — eine Hand voll, mehr als er in einem Jahr sieht. Er will es teilen, eine Suppe ausgeben, irgendwas. Es ist zu viel für einen Mann allein.
Er weiss nicht, wer der Spender war. Eine Gestalt im Mantel, ein leiser Schritt, und dann nichts mehr als das Klimpern in seinem Schoss. Der Stapel hat einen Verdacht: der Rote Rächer verteilt seine Beute. Tausend Goldstücke aus dem Nachtwasseranwesen — und ein Bettler im Schatten der Toten ist dabei.
Die Gruppe nimmt die Einladung an, oder nicht — aber das Bild bleibt: der Rächer raubt die Reichen aus und füttert die Vergessenen.
Wichtige Entdeckungen#
- Der Rote Rächer hat das Nachtwasseranwesen im Seebezirk ausgeraubt — 1000 Goldstücke, Tatzeichen hinterlassen — und verteilt die Beute offenbar an Bettler.
- Sezeth und der Panzerkrieger sind tot. Beide fielen im Endkampf — kein Verhör möglich. In Sezeths Innenmantel ein Brief, gesiegelt mit einem weissen Turm in rotem Wachs; im Mantel des Panzerkriegers ein zweites Siegel mit demselben Wappen. Sezeths Auftraggeber nennt sich Weisser Turm — Auftrag: Chiffre einkassieren, alle Mitwisser auslöschen.
- Karlo ist gerettet — samt einem äusserst gesprächigen Hamster. Beim Verhör im Trollschädel rückt Karlo damit heraus, dass es bei der gestohlenen Chiffre um die Identität eines Verborgenen Lord geht.
- „Weisser Turm" hat ein Gesicht. Aus Karlos Aussage, dem doppelten Wappen-Siegel und Cassians Reimbuch aus Teil 1 verknüpft der Stapel den Codenamen mit dem Adelshaus Weissthal — und zieht den Verdacht auf Lady Elara Weissthal als eine der dreizehn Verborgenen Lords.
- Tims Zhentarim wissen, dass der Stapel unterwegs war — die Kenkus waren ihre Antwort.
- Szene 2.5: Spitzel NICHT ausgeschaltet — er hat einen Kinderboten losgeschickt, ohne dass die Gruppe es merkte. Konsequenz: Kenkus treffen mitten im Lagerhaus-Kampf ein. Siehe
skill/oneshots/codebreaker/cb_szene2_5_rausschleichen.md. - Stadtwache-Encounter: Improvisiert. Waldo hat mit zwei Muffins + Persuasion deeskaliert. Info-Drop: Roter-Rächer-Einbruch ins Nachtwasseranwesen.
- Hund: Gorbal hat den Wachhund mit Köder geweckt — Bellen kurz, dann wieder ruhig (kein Alarm in der Halle). Im späteren Kampf von Waldo mit Sleep ausgeschaltet, am Ende mitgenommen.
- Kenku-Anflug: Tims Verstärkung — vom Nachbardach abgeseilt, Armbrüste, geschossen auf alle Fraktionen. Vom Panzerkrieger erledigt (er war nach dem Telebonbon-Wurf im EG und hat sich offenbar eher um die Bolzenflut als um den Stapel gekümmert).
- Vael oben: OG hatte nur Kisten (kein Loot-Treffer).
- Telebonbon: Vael hat den Panzerkrieger auf der Kellertreppe per Telebonbon-Wurf ins EG zurückgeschickt. Verbrauch tracken.
- Sezeth-Schach: Vael hat Tasha’s gellendes Gelächter (Hideous Laughter) genutzt, um Sezeth während des Lockpickings zu neutralisieren.
- Vael Down: Vael ist auf der Treppe zusammengeklappt (HP-Down? Erschöpfung?) — vom Team gerettet.
- Sezeth und Panzerkrieger beide tot. Beide fielen im Endkampf — keine Verhöre möglich. Reveal lief stattdessen über den Brief in Sezeths Innenmantel + das zweite Wappen-Siegel an der Leiche des Panzerkriegers.
- Brief = Belauschen-Ersatz: Im Prep (
cb_szene3_verhoerhaus.md) war der zentrale Reveal das Belauschen von Setheks Gespräch im Keller — dort hätten die Spieler den Namen „Lady Weissthal" direkt gehört. Da das übersprungen wurde, wurde der Reveal auf den Brief verlagert: Codename „Weisser Turm" + Siegel, signiert „W.T." - Player-Deduktion (post-Session / Karlo-Verhör): Karlo wusste, dass es um die Identität eines Verborgenen Lord geht; an der Leiche des Panzerkriegers fand sich ein zweites Wappen-Siegel; Cassians Reimbuch aus Teil 1 lieferte die Familienspur. Die Gruppe hat damit die Verbindung Weisser Turm → Weissthal-Wappen → Cassian → Lady Elara Weissthal selbständig gezogen. → Wiki: Verborgene Lords, Lady Elara Weissthal, Cassian Weissthal sind angelegt.
- Brief-Inhalt: Ziel = Renzos Notizen (Hauptziel) + Karlo eliminieren + „üblicher Ort" für nächsten Bericht. → „Üblicher Ort" ist offener Hook für nächste Session (Hinterlist? Stake-out? Sezeth durch Doppelgänger ersetzen?).
- Karlo + Hamster: Karlo befreit, beim Verhör der Lord-Hinweis abgegriffen. Hamster ist ein Spieler-Add — sprechend (?), beleidigend, mitgenommen. Offene DM-Entscheidung: was ist das Ding? Vorschläge: (a) verfluchter Familiar, (b) jemandes verzauberter Spion, (c) reine Comic-Relief-Begleitung.
- Hund mitgenommen: Trollschädel-Herrenhaus hat jetzt ein Maskottchen.
- Bettler-Begegnung: Improvisiert oder gepreppt? Verteilt Roter-Rächer-Beute an Arme — „Robin Hood"-Profilierung der Faction. Cement das in einer Wiki-Seite.
- Szene 4 (Mme Corbeau / Verrat) komplett ausgespart. Mit beiden Auftragskillern tot, befreitem Karlo, Hamster und Hund hat sich die Ausgangslage stark verschoben — Szene 4 muss vermutlich umgebaut werden, oder die Verrat-Mechanik kommt anders ins Spiel (z.B. Mira erfährt vom Stapel-Erfolg).
- Falk „der Fuchs" ist immer noch das ursprüngliche Leck und lebt unauffällig weiter — die Spieler haben ihn als Bedrohung NICHT auf dem Schirm. Lady Elaras Kill Squad würde ihn kaltmachen, sobald sie ihn identifizieren. Wettlauf-Hook: Falk vor ihren Schergen finden.
- Loose Ends (Stand 9.5.2026): Renzo informieren, Roter-Rächer-Spur (Bettler), Hamster identifizieren, „üblicher Ort" entscheiden, Falk-Hook setzen, Mira/Mme-Corbeau-Verrat neu inszenieren. (Panzerkrieger als Verhörquelle entfällt — er ist im Endkampf gefallen.)